Logotherapie
Seine These lehnt sich direkt an Nietzsches Ausspruch an: 'Wer ein Warum zu leben hat, erträgt auch jedes Wie.' Dass der Sinn den Menschen am Leben hält, bewies Frankl eindrucksvoll selbst, war er doch lange Zeit in einem Konzentrationslager der Nazis inhaftiert, bevor er sich in die Vereinigten Staaten absetzen konnte.
Immer wenn davon ausgegangen werden kann, dass ein Mensch unter einer Sinnleere leidet – im Fachjargon als 'existentielles Vakuum' bezeichnet –, ist die Logotherapie indiziert. Gemeint ist damit allerdings nicht, dass der Berater oder Therapeut versucht, dem Klienten einen Sinn zu vermitteln. Den muss und kann der Betroffene nur selbst finden. Auch den Willen zum Sinn versucht man ihm nicht einzureden. Sobald ein Sinn gefunden ist, keimt der Wille dazu von alleine auf. Und diesen Hinweis nehmen Menschen von jemanden, der durch solche existenzielle Bedrohungen wie Frankl gegangen ist, dankbar an.
Eine zentrale Methode der Logotherapie ist die paradoxe Intention. Menschen, die in eine Beratung kommen, möchten sich in der Regel von belastenden Gedanken oder von einem zwanghaften Verhalten trennen. In den meisten Fällen hat der Klient das Gefühl, seinem Verhalten vollkommen ausgeliefert zu sein. Er hat die Fähigkeit verloren, Gedanken und Gefühle bewusst zu steuern. Dabei ist es nicht so, dass der Klient unter einem bestimmten Symptom leidet, vielmehr beunruhigt ihn seine Erwartungsangst. Denn das Symptom scheint unberechenbar auszubrechen.
Hier versucht die paradoxe Intention entgegenzuwirken. Frankl 'verschreibt' seinen Klienten das problematische Verhalten. Man soll sich wünschen, wovor man sich fürchtet - und das möglichst noch auf humorvolle Art und Weise.
Von den meisten Klienten wird die paradoxe Intention deshalb nicht besonders wohlwollend aufgenommen. Es scheint zunächst ungeheuerlich, bewusst die Gedanken oder Verhaltensweisen zu produzieren, die man schnellstens loswerden möchte. Hier erfordert es Überzeugungsgeschick und Humor, um den Ratsuchenden dazu zu bewegen, es wenigstens einmal zu versuchen.
Wie immer eignet sich aber nicht jede Methode zur Beratung jedes Menschen oder jeder Lebensgeschichte. Und nicht jeder Berater arbeitet gleich erfolgreich mit einer Methode. Daher sollte er sich überlegen, in welchen Kontext er die paradoxe Intention einbauen und bei welchen Zielgruppen er damit eine neue Sichtweise der Dinge erzielen kann.
Weiterführende Literatur:
• Viktor E. Frankl: Logotherapie und Existenzanalyse. Psychologische Verlags Union, Weinheim 1998, ISBN 3-621-27410-3.
• Viktor E. Frankl: Der Wille zum Sinn. Serie Piper, München 4. Aufl. 1997, ISBN 3-492-21238-7.
• Wolfram Kurz, Franz Sedlak (Hrsg.): Kompendium der Logotherapie und Existenzanalyse, Verlag Lebenskunst 1995, ISBN 3-9803664-1-3.
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