Rollenspiele
Rollenspiele zählen zu gruppen- bzw. teamzentrierten Lehr-/Lernformen, die auch in einer online Lernumgebung angewendet werden können. Die Lernenden haben eine aktive Rolle inne, sie müssen sich in Rollen eindenken und mit Leben füllen.
Beispielsweise versetzen sich eine Person in die Lage einer Führungskraft und der andere in einen Mitarbeitenden. Gespielt werden soll ein Kritikgespräch. Ziel des Spiels ist es für die Führungskraft bestimmte Sequenzen des Gesprächs zu erproben und die Wirkungen zu reflektieren.
Bei eine enger gefassteren Form des Rollenspiels bekommt jeder Mitspieler eine klare Rollenanweisung auf einem kleinen Zettel. Beispielsweise sind alle Kollegen einer kleinen Firma. Sie vertreten bestimmte vorgegebene Perspektiven auf eine Situation hin. Frau Müller vertritt die Ansicht, dass das Projekt abgebrochen werden soll, um größeren Schaden zu vermeiden. Herr Mayer hat viel in das Projekt investiert. Es ist auf seine Initiative hin entstanden. Er will weitere Ressourcen, um das Projekt in der vorgesehenen Qualität zu Ende geführt werden kann. Herr Schmitt, die Führungskraft, hat sein Budget für alle Projekte ausgereizt, kann sich aber einen Abbruch eines der Projekte nicht leisten. Aufgabe: Kommen Sie ins Gespräch und entwickeln Sie Lösungsansätze. Die anderen Teilnehmenden im Raum bekommen Beobachtungsaufträge, die anschließend in einer gemeinsamen Reflexion ausgewertet werden.
Bei den Lernenden handelt es sich häufig um Teilnehmer eines Seminars. Durch die Rollenspiele soll bei den Teilnehmern die Wahrnehmung für ein bestimmtes Problem geschärft werden. Ein Moderator sollte dabei die verschiedenen Rollen zuordnen und den Teilnehmern Regieanweisungen erteilen.
Einige Beispiele:
Die Lernchance beim Rollenspiel ist das unmittelbare erproben und erleben, sowie die anschließende Reflexion zum Lerngehalt und Praxistransfer. Da die Teilnehmenden bestimmte Vorgaben bekommen, ist es einerseits künstlicher, weil man nicht in der eigenen Haut steckt, andererseits ermöglicht diese „fremde Haut“ der Rolle auch sich anders auszuprobieren. Dazu braucht es in der Gruppe ein Maß von Vertrauen, Mut, Wertschätzung und Ernsthaftigkeit.
Eine mögliche Gefahr, die bei Rollenspielen auftreten kann, ist das Nicht-Einhalten der Rollen. Manche Teilnehmer sind evtl. nur schwer in der Lage, sich in die ihnen zugeordnete Rolle zu versetzen und diese zu vertreten. Dann ist es Aufgabe des Moderators, auf die zugewiesenen Rollen hinzuweisen und die Teilnehmenden zu verpflichten, diese einzuhalten.
Rollenspiele dienen also der Tiefung der Lernebene, der Aktivierung der Gruppe und dazu blinde Flecken auf der kognitiven Ebene im erlebensorientierten handeln sichtbar und bearbeitbar zu machen.
Barbara Lehmann, Senior Consultant M2M Consulting
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