Das höre ich seit 25 Jahren…
In deutschen Chefetagen gilt oft noch: Fehler sind Makel, keine Lernchance. Dabei wissen wir alle: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Aber warum hält sich das Gefühl so hartnäckig, dass Fehler unter allen Umständen zu vermeiden und schuldige zu bestrafen sind – koste es, was es wolle?
Die Rückmeldungen aus Workshops und Befragungen sind eindeutig:
Fehler = Schuldige suchen. Schuldige = bestrafen. Damit es nicht wieder passiert.
Das ist Kontrolle um jeden Preis.
Natürlich gibt es Abläufe, die Leben schützen müssen – keine Frage. Aber was ist mit den vielen Situationen, in denen Fehler Innovation bedeuten könnten?
Fehlerkultur oder Tribunal?
Erin Meyer und Reed Hastings beschreiben in No Rules Rules, wie bei Netflix Fehler offen vor dem Team reflektiert werden: Was war die Entscheidung? Wo lag der Irrtum? Was lernen wir daraus?
Grandios – wenn die Kultur stimmt.
In deutschen Workshops ernte ich dafür oft Kopfschütteln: „Menschen so an den Pranger stellen? Niemals!“
Doch seien wir ehrlich:
Unsere Haltung zu Fehlern ist geprägt von Familie, Schule, Unternehmen.
Sind Fehler für uns ein Zeichen von Mut und Entscheidungsfreude?
Oder schlicht ein Kompetenzmangel, der sanktioniert werden muss?
Ohne Vertrauen keine Fehlerkultur.
Erst kürzlich im Workshop: Feedback-Runde. Die Nervosität war greifbar – Kritik = Fehler anprangern, oder?
Das Ergebnis: Lachen, Umarmungen, sogar Tränen. Offenheit tut nicht weh. Sie schafft Verbindung.
Mein Fazit:
Fehler sind nicht das Problem, unser Umgang mit ihnen schon eher.
Solange wir Angst vor Fehlern haben, werden wir uns nicht weiterentwickeln, kein Vertrauen aufbauen und im Mittelmaß steckenbleiben.
Also: aufstehen, Krönchen richten und weiter machen. Sie werden überrascht sein, was dann möglich wird.
Wie ist das bei euch? Wird in eurem Unternehmen gelernt – oder verurteilt?



